Die Tugend des Revolutionärs
Was Che Guevara und Papst Benedikt XVI gemeinsam glauben
"Seid vor allem immer fähig, jede Ungerechtigkeit gegen jeden
Menschen an jedem Ort der Welt im Innersten zu fühlen. Das ist die
schönste Eigenschaft eines Revolutionärs." - Che Guevara
Ich finde, das ist eine sehr schöne Losung.
Empathievermögen (die Fähigkeit, sich in andere hineinversetzen und mit ihnen leiden, sich mit ihnen freuen zu können) ist die wichtigste Basis für ein glückliches und erfülltes Leben. Es geht nicht darum, hart zu werden, abzustumpfen und immer cool zu bleiben - "bloß keine Gefühle zeigen, dann ist man auch nicht angreifbar". Nein, es geht um Mitgefühl (Lat. "caritas" = Nächstenliebe) - "»Deus caritas est - Gott ist Liebe" ist der Titel des päpstlichen Antritts-Rundschreibens (Enzyklika) von Benedikt XVI.
Aber gerade wenn ein Revolutionsführer - dem man ja nicht gerade nachsagen kann, ein Weichei zu sein - so etwas sagt, hat es besonderes Gewicht. Und es zeigt, dass Christen und Revolutionäre wichtige Gemeinsamkeiten haben. "Passt euch nicht den Maßstäben dieser Welt an!" sagt auch der Apostel Paulus den Römern.
Für uns heißt das: Lasst euch nicht durch die Medien oder Erzählungen anderer verleiten, eine Mauer der Angst um euch rum aufzubauen. Auf den ersten Blick scheint es uns zu stärken, wenn wir uns abschotten und eine unverletzliche Fassade zeigen. Aber damit trennen wir uns vielleicht auch von der Welt, dem Leben und von der Erfahrung der Liebe Gottes ab.
Das volle Leben heißt, sich auf Erfahrungen einzulassen, auch wenn sie schmerzlich sind. Gefühle zulassen, mit anderen Freude und Leid teilen und dabei die Erfahrung machen, dass man selbst nicht der Mittelpunkt, sondern ein Teil der Welt ist.
lueden, 2006

